Als vor 20 Jahren in der Berliner Halle Weißensee die erste Mayday ihre Pforten öffnete, war für die damaligen Organisatoren in keinster Weise absehbar, was aus der Rettungsaktion für den Sender DT64 später werden sollte. 20 Jahre später, am 30.04.2011, trafen sich viele Acts der ersten Stunden wieder, um eine Party zu feiern, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte: Eine Party, die nicht nur für die deutsche, sondern vielmehr europäische oder gar weltweite Rave-Szene als Mutter gilt.

365 Tage vorher auf der Pressekonferenz der Mayday 2010 – "You make my day" war damals das Motto – erklärte Nikolaus Schär vom Veranstalter I-Motion, dass man sich die „Hallen hinter der Westfalenhalle 3b“ bereits angesehen habe und dass es zum 20. Jubiläum der Mayday etwas ganz Besonderes geben werde. Ein Jahr des Wartens verging, ehe ein sichtlich "geflashter" Niklolas Schär auf der Pressekonferenz wieder erklärte, dass man zum ersten Mal in der Geschichte der Mayday 27.000 Besucher in den Westfalenhallen begrüßen durfte. Es folgten Anekdoten von den Gründervätern der Veranstaltung, von den derzeitigen Verantwortungen und von den anwesenden Medienvertretern. Alle hatten eines gemeinsam: Das einzigartige Mayday-Feeling, dass bis heute kein zweiter Rave in dieser Art und Weise bieten kann.

Dass die 20. Mayday etwas ganz Besonderes werden würde, war für jeden der Besucher relativ früh klar. Nicht nur das spürbar höhere Besucheraufkommen, sondern auch die aufgefahrene Technik und ein Line-Up, das in seiner Extraklasse quasi sinnbildlich für die Entwicklung der Mayday steht: Acts, die heute als feste Größen aus dem Line-Up der Mayday teilweise gar nicht mehr wegzudenken sind, teilten sich die Bühnen der Floors mit unbekannteren, neuen und jungen Acts, mit Debütanten oder jenen, die wie Marusha nach einigen Jahren Pause wieder zu Gast in den Westfalenhallen waren. Was folgte, war für viele der Besucher eine Nacht purer Ekstase, eine Nacht voller „Massive Moments“ und „Cluture Flashs“, eine Nacht, die niemand, der dabei war, jemals wieder vergessen wird!

Für die unvergesslichen Momente dieser „Tanzveranstaltung“ sorgten dabei natürlich in erster Linie die Deejays und Liveacts, die dafür sorgten, dass die Westfalenhallen in ihren Grundfesten erzitterten, aber auch ein Fakt, den kein Verantwortlicher der Veranstalter, kein Deejay und auch kein Medienschaffender so hätte einplanen können: Die Meisterschaft des BVB! Zahlreiche Fußballfans „missbrauchten“ die Mayday quasi als Meisterfeier und sorgten mit ihren Outfits und in den Umläufen der Westfalenhalle 1 erklingenden Schlachtrufen für Anekdoten, die viele noch in einigen Jahren erzählen werden.

In Erinnerung wird vor allem auch das Set von Marusha auf dem Classic-Floor der Mayday bleiben, denn Zugabe-Rufe sind auf der Mayday bis heute eine Seltenheit. Doch nicht nur Marusha brachte die feierwütigen Raver im „Twenty Young Dome“ zum Kochen, sondern auch viele andere Künstler, die schon in den Anfangsjahren der Mayday für pure Ekstase bei den Ravern gesorgt hatten. Ob Ilsa Gold, Hardsequenzer, Ravers Nature oder das Classcis-Set der Members of Mayday – sie alle hinterließen bei den jungen Ravern bleibende Eindrücke von dem, wie es in den Anfangsjahren der Mayday gewesen sein muss. Bei denjenigen, die schon damals dabei waren, sorgten sie für Erinnerungsschübe, die bei nicht wenigen zu Gänsehaut geführt haben. Mit verantwortlich dafür war – das wird mit Sicherheit auch keiner der Deejays bestreiten – auch das Interieur des „Twenty Young Dome“, der ausschließlich mit Sound- und Lichttechnik aus den Anfangstagen der Mayday ausgerüstet war und dennoch keine Wünsche offen ließ.

Deutlich moderner als in der Westfalenhalle 4 ging es eine Rolltreppe höher in der Westfalenhalle 3B zu. Dort, wo seit Jahren das „Empire“ Zuhause ist, war mit einer hochmodernen Licht- und Soundinstallation dafür Sorge getragen, dass Len Faki, Gary Beck, Jeff Mills oder Sven Väth, der gleichzeitig zum Mayday-Geburtstag sein 30-jähriges Deejay-Jubiläum feierte, die Masse derart elektrisieren konnten, dass sich die Körper der Raver beinahe wie ferngesteuert zum Beat bewegten ohne dabei auch nur einmal daran zu denken, was noch kommen sollte.
Noch härter als im „Empire“ ging es in der „Factory“ zu sich, die seit 2008 in der jetzigen Form Teil der Mayday ist. Zu den brachialen Sounds von Showtek, Angerfist oder Hellsystem sorgten 75.000 Watt Soundleistung, 75 Moving-Lights und zahlreiche am Boden der Halle installierte Stroboskope für einzigartige Effekte.

Quasi das komplette Gegenteil zur „Factory“ war auch in diesem Jahr wieder das „Mixery-Casino“, der flächenmäßig kleinste Floor der Mayday. Während Deejays wie Tom Novy, Butch oder Dominik Eulberg für einen euphorisierenden Sound sorgten, taten goldene und silberne Stoffbahnen sowie zahlreiche Glitzervorhänge ihr restliches und garantierten eine einzigartige Atmosphäre.

Auch wenn die emotionalsten Höhepunkte – einmal abgesehen von den "Members of Mayday", die die Westfalenhalle 1 während ihres 30-minütigen Sets nicht nur einmal erbeben ließen – im Jubiläumsjahr wohl eher im „Twenty Young Dome“ zu Hause waren, hinterlässt die „Arena“, wie der größte Floor der Mayday so treffend heißt, auch in diesem Jahr wieder zahlreiche bleibende Eindrücke. Vor allem Lichtshow, die sich unter anderem aus 20 Lasern, 250 Moving-Lights und 200 Quadratmetern LED-Tafeln zusammensetze, aber auch die Soundanlage mit 330.000 Watt sorgten dafür, dass sich während der Sets von Top-Acts, wie Paul van Dyk, Westbam oder Turntablerocker, die Armbehaarung nicht nur einmal aufstellte.

Insgesamt haben die Veranstalter der Mayday das Jubiläum der Mutter aller Raves mehr als würdig gestaltet und ihrer Ankündigung vor inzwischen etwas mehr als einem Jahr beeindruckende Taten folgen lassen. Sollten sie sich jetzt noch dazu entscheiden den „Twenty Young Dome“ über dieses Jahr hinaus beizubehalten, so wird die Mayday auch in den kommenden Jahren die wohl geilste „Party“ des Ruhrgebiets bleiben!

„It began as a party, it turned into a movement, now it is religion! Forward ever, backward never!“